Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben ein ökumenisches Zeichen
gesetzt und zum ersten Mal formell gegenseitig ihre Taufen anerkannt.
Kardinal Karl Lehmann und Bischof Wolfgang Huber unterzeichneten zusammen
mit Vertretern von neun weiteren Kirchen eine entsprechende Erklärung im
vollbesetzten Magdeburger Dom. Danach ist die Taufe "einmalig und
unwiederholbar". Dies gilt auch bei einem eventuellen Wechsel der
Konfession.
Lehmann und Huber würdigten die Unterzeichnung des Dokuments. Sie sei ein
Beleg dafür, dass die "ökumenischen Bemühungen nicht erstarrt sind",
erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Es sei ein großer
Schatz, dass die Kirchen trotz aller Trennungen das sakramentale Band der
Einheit durch die Taufe erhalten hätten. Der Ratsvorsitzende der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betonte, "das Bekenntnis 'Jesus
Christus ist unser Heil' eint die christlichen Kirchen". Dahinter träten
alle Unterschiede, "die uns im ökumenischen Miteinander unsere jeweilige
Prägung geben" zurück. Dieses gemeinsame Bekenntnis markiere auch den
bleibenden Abstand des christlichen Glaubens zu anderen Religionen, so
Huber.
In dem Text heißt es, trotz Unterschieden im Kirchenverständnis bestehe ein
Grundeinverständnis über die Taufe: "Deshalb erkennen wir jede nach dem
Auftrag Jesu im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit
der Zeichenhandlung des Untertauchens im Wasser beziehungsweise des
Übergießens mit Wasser vollzogene Taufe an und freuen uns über jeden
Menschen, der getauft wird."
Bislang nur Einzelerklärungen
Bislang gab es in Deutschland nur Vereinbarungen zwischen Gliedkirchen der
EKD und römisch-katholischen Diözesen zur wechselseitigen Anerkennung der
Taufe. Eine Erklärung auf der Ebene der EKD und der Deutschen
Bischofskonferenz bestand nicht. Die Initiative zu dem Schritt ging 2002 von
dem für die Ökumene zuständigen Kurienkardinal Walter Kasper aus. Eine
Arbeitsgruppe mit Vertretern der Kirchen arbeitete den Text für die
Erklärung aus.
Nicht alle Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK)
haben das Dokument unterzeichnet. Ein Grund dafür liege in der theologischen
Wertung der Kindertaufe, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von
Bischofskonferenz und EKD. Zu den Mitunterzeichnern gehören die
Äthiopisch-Orthodoxe Kirche, die Arbeitsgemeinschaft
Anglikanisch-Episkopaler Gemeinden in Deutschland, die
Armenisch-Apostolische Orthodoxe Kirche in Deutschland, die
evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen, die Evangelische
Brüder-Unität (Herrnhuter Brüdergemeine), die evangelisch-methodistische
Kirche, das katholische Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland, die
Orthodoxe Kirche in Deutschland und die Selbstständige
Evangelisch-Lutherische Kirche.
Symbolträchtiger Ort
Die Unterzeichnung fand an einem symbolträchtigen Ort statt, nämlich an
einem auf Kaiser Otto den Großen (936-973) zurückgehenden Taufstein im
Magdeburger Dom. Er ist aus Porphyr geschaffen, der ausschließlich für
Herrscherbilder des Kaisers verwendet werden durfte. Der Taufstein war schon
zu einer Zeit in Gebrauch, als Ost- und Westkirche noch nicht durch das
Schisma von 1054 getrennt waren.